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Bedeutung und Hintergrund

Die gute Botschaft ist, generell entwickelt sich der weitaus größte Teil aller Kinder und Jugendlichen unauffällig und ist gesund. Doch zeigen epidemiologische Untersuchungen, dass es bei ca. 20% aller Kinder und Jugendlichen im Verlauf des Aufwachsens zu psychischen Auffälligkeiten und Verhaltensproblemen kommen kann (Lampert & Kuntz, 2015). Dies hat auch der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Robert Koch-Instituts festgestellt.

Fakten im Überblick

  • 20,2% der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen sind einem Risiko für psychische Auffälligkeiten ausgesetzt, darunter 23,4% der Jungen und 16,9% der Mädchen.
  • 5,0% der 3- bis 17-Jährigen leiden an ADHS, darunter 8,0% der Jungen und 1,7% der Mädchen.
  • 21,9% der 11- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen zeigen Symptome von Essstörungen, wobei Mädchen mit 28,9% beinahe doppelt so oft betoffen sind wie Jungen mit 15,2%.
  • Bei fast allen psychischen Störungen lässt sich ein sozialer Gradient feststellen, demnach sind Mädchen und Jungen, die in sozial benachteiligten Verhältnissen aufwachsen häufig doppelt so oft betroffen wie Kinder und Jugendliche aus weniger sozial benachteiligten Verhältnissen.
  • Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, mit nur einem erziehenden Elternteil oder Eltern in Arbeitslosigkeit sind einem höheren Risiko ausgesetzt psychisch zu erkranken.
  • Kinder und Jugendliche psychisch, chronisch oder schwer erkrankter Eltern sind einem besonderen Risiko ausgesetzt psychisch zu erkranken.
  • Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen verfügt über unzureichende personale, soziale und familiäre Ressourcen, die entscheidend für den Schutz vor psychischen Erkrankungen sind.

(Quellen: Lampert & Kuntz, 2015, Robert Koch-Institut & Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2008)

Vorübergehende Verhaltensauffälligkeiten vs. Diagnose psychische Störung

Nicht jedes ungewohnte Verhalten kann als krank bezeichnet werden. Gerade im Jugendalter gehören Experimente und vorübergehende Abweichungen im Verhalten oder Fühlen zur Normalität. So kann es während der Pubertät zu Stimmungsschwankungen, Gereiztheit und ähnlichem kommen, ohne dass dies einen Krankheitswert hat. Auch gelegentliches Experimentieren mit Drogen muss noch keineswegs krankheitswertig sein (Fegert, Streek-Fischer & Freyberger, 2009). Wichtig ist immer die Unterscheidung, ob es sich um ein kurzzeitiges und vorübergehendes Verhalten handelt oder ob die Probleme mit einer gewissen Dauer auftreten und vor allem, ob dadurch die sozialen Funktionen des Kindes oder Jugendlichen eingeschränkt werden, also zum Beispiel der Schulbesuch vernachlässigt wird oder Freizeitaktivitäten eingeschränkt werden.

Die nachfolgende Abbildung gibt eine Übersicht möglicher Verhaltensauffälligkeiten wieder, die sowohl kurz- als auch längerfristig auftreten können und genau beobachtet werden sollten.

(Quelle: Eigene Darstellung in Verbindung mit Döpfner et al., 2009)

Entwicklungsschwellen

Kinder und Jugendliche sind der besonderen Herausforderung ausgesetzt, im Zuge der Entwicklungsaufgaben des Lebens größere Anpassungsleistungen zu meistern.

(Quelle: Eigene Darstellung in Verbindung mit Fegert, Streek-Fischer & Freyberger, 2009)

Je nachdem ob diese einzelnen Entwicklungsschwellen erfolgreich überwunden werden können oder nicht, kann dies Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen haben. Gelingt es die jeweilige Schwelle zu überwinden, so führt das i.d.R. zur Stabilisierung des Selbstwertgefühls und einer positiven Lernerfahrung. Sollten Kinder oder Jugendliche scheitern die entsprechenden Entwicklungsaufgaben zu meistern, so machen sie eine negative Lernerfahrung. Diese Erfahrung kann zu einer Destabilisierung und damit einhergehend einem größeren Risiko für das Auftreten einer psychischen Störung führen. Eine psychische Erkrankung kann wiederum lebenslange Funktionsstörungen bei den Betroffenen hervorrufen (Fegert, Streek-Fischer & Freyberger, 2009).


Quellen:

Döpfner M, Berner W, Flechtner H, Lehmkuhl G, Steinhausen H-C. Psychopathologisches Befund-System für Kinder und Jugendliche (CASCAP-D). Göttingen: Hogrefe-Verlag 1999.

Robert Koch-Institut (Hrsg.) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) Erkennen – Bewerten – Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin: Robert Koch-Institut 2008.

Lampert T, Kuntz B, KiGGS Study Group. Gesund aufwachsen – Welche Bedeutung kommt dem sozialen Status zu? Robert Koch-Institut (Hrsg.) Berlin: Robert Koch-Institut 2015. GBE kompakt 6(1) www.rki.de/gbe-kompakt (Stand: 01.03.2015).

Fegert JM, Streeck-Fischer A, Freyberger HJ (ed.): Adoleszenpsychiatrie: Psychiatrie und Psychotherapie der Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters. Stuttgart: Schattauer, 2009.

Fegert JM, Eggers C, Resch F (Hrsg.) Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Berlin: Springer 2011.

Lehmkuhl G, Poustka F, Holtmann M, Steiner H (Hrsg.) Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Göttingen: Hogrefe, 2013

Petermann F (Hrsg.) Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. Göttingen: Hogrefe, 2013